Meister!

24. Juni 2020

Die A-Jugend der SG Bühl ist Meister in der Bezirksliga Baden-Baden und damit Aufsteiger in die Landesliga. Wir haben mit Co-Trainer Sascha Zeus über die abgebrochene Saison gesprochen.

Redaktion:

Sascha, erstmal herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft und das Trainer-Team!

Sascha:

Vielen Dank.

R:

Vergangenen Samstag wurde beim außerordentlichen Verbandstag des Südbadischen Fußballverbands beschlossen, die Saison abzubrechen, womit die SG Bühl als Meister feststeht. Fühlt sich so eine Meisterschaft durch Abbruch nicht komisch an?

S:

Ehrlich gesagt nein. Komisch fühlt es sich an, nicht mehr Fußball spielen zu können. Wobei „komisch“ das falsche Wort ist. Es ist schlicht und einfach beschiss…..

R:

Ja danke! Aber es ist doch merkwürdig, so Meister zu werden?

S:

Es ist auch nicht merkwürdig. Wir hatten nämlich eh vor Meister zu werden. Und ein Blick auf die Tabelle zum Abbruchzeitpunkt Mitte März zeigt, dass wir auf einem guten Weg waren. 

  1. SG Bühl 12 Spiele 31 Punkte
  2. SG Würmersheim      11 Spiele 28 Punkte

Durch die Quotientenregel – Punkte geteilt durch Anzahl der Spiele – liegen wir knapp vor den Würmersheimern. Aber auch bei Punktgleichheit wären wir vorne, da zählt nämlich der direkte Vergleich, und den haben wir gewonnen. Alles in allem also eine verdiente Meisterschaft, die sich weder merkwürdig noch komisch anfühlt. Komisch fühlt es sich vielleicht für die Würmersheimer an, die mit ihrer großartigen Mannschaft und dem sympathischen Trainerteam durch Corona um ihre Aufstiegschancen gebracht wurden. Wobei auch hier ein anderes Wort besser passt:  beschiss….

R:

Ja danke! Ihr habt nach vielen Wochen Stillstand wieder angefangen zu trainieren. Wie hat die Mannschaft die Nachricht vom Titelgewinn aufgenommen?       

S:

Sehr ruhig und gelassen. Ein bisschen so, als wären sie gerade zum achten Mal hintereinander Meister geworden. Klar, wenn Du auf dem Platz Meister wirst, sagen wir durch ein alles entscheidendes Tor in der 97. Minute, dann haut es dir alle Sicherungen raus, dann feierst du wie ein Tier. Wenn dir aber ein Trainer beim Training sagt, dass du Meister bist, dann denken die Sicherungen in Dir: „Ach ne, lass mal, das ist jetzt gerade nicht so emotional. Wir bleiben drin.“ Es ist halt schon komisch und merkwürdig am grünen Tisch Meister zu werden.

R:

Hast Du nicht gerade das Gegenteil behauptet?

S:

Ja schon. Aber ich möchte hier Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer zitieren, der mal gesagt hat: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“

R:

Wenn Du auf die Saison zurückblickst, was waren besondere Highlights?

S:

Da habe ich exemplarisch ein Spiel im Kopf, in dem die Mannschaft alles gezeigt hat, was in ihr steckt. Es zeigen musste, weil der Gegner so stark war. Ich meine das Pokalspiel im Oktober in Würmersheim. Es war die pure Freude den Jungs zuzuschauen wie sie durch unbändigen Willen, Kampfgeist und vor allem auch spielerische Klasse aus einem 1:2 Rückstand noch einen 3:2 Sieg machten. Großartig! Zugegeben, so gut waren sie nicht in jedem Spiel, was oft auch an den schwachen Gegnern lag, aber insgesamt hat die Mannschaft schönen und geilen Fußball gespielt.

R:

Was bei Jugendlichen in diesem Alter ja oft ein Problem ist, ist die Trainingsbeteiligung und auch die Einstellung im und zum Training, Wie war die?

S:

Was bei Jugendlichen in diesem Alter ja oft ein Problem ist, ist die Trainingsbeteiligung und auch die Einstellung im und zum Training,

R:

Entschuldigung, das habe ich doch gerade gesagt!

S:

Ja, aber genau das ist des Pudels Kern. Am Anfang einer Saison hast du 25 bis 30 Spieler, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Mit Rundenbeginn springen dann die ab, die nicht im Kader sind oder selten spielen. Übrig bleibt dann ein harter Kern von 20 oder 21 Spielern. So war es auch diese Saison, und ich muss sagen, die Jungs haben hart und gut trainiert. Bis zur Winterpause. Und nach der ist es dann immer schwierig.

R:

Ist „schwierig“ hier das richtige Wort?

S:

Nein. Auch hier würde das B-Wort besser passen. In der Vorbereitung zur Rückrunde standen wir teilweise mit 12 Mann auf dem Platz. Das klingt ganz okay, allerdings waren es 8 Spieler und 4 Trainer. Vernünftiges Training war da unmöglich. Ja, ich weiß, Fastnacht, das usselige Winterwetter, es wird so früh dunkel, usw. usw. Ausreden gibt es ohne Ende. Für mich zählen die aber alle nicht. Beim Training bin ich da, oder sage zumindest mit einem wichtigen Grund ab. Und wenn ich da bin, hau ich mich auch voll rein. Punkt.

R:

Das klingt ein bisschen nach Frust im Trainerteam.

S:

Ja. Aber insgesamt war es dann doch ganz okay. Je näher der Rückrundenstart kam, desto besser wurde die Trainingsbeteiligung und das erste Spiel haben wir dann auch klar und deutlich mit 8:1 gewonnen. 

R:

Vielleicht noch ein Wort zum Trainerteam.

S:

Geil.

R:

Vielleicht doch 2 Worte.

S:

Geile Truppe.

R:
Jetzt komm schon!

S:
Na ja, was soll ich sagen? Es hat tierisch Spaß gemacht mit Boris, Frank, Horst und Jasmin zu arbeiten. Ein Rädchen hat ins andere gegriffen, man hat sich aufeinander verlassen können, einer war für den anderen da, wir haben jede Menge Chancen kreiert, hinten dicht gemacht und nirgendwo Körner liegen lassen. Noch Fragen?

R:

Ja, eine noch: Wo und wie wird die Meisterschaft gefeiert?

S:

Der Bühler Rathausbalkon wäre ein angemessener Ort, aber das wird wohl nicht klappen. Vielleicht machen wir auch einen Fahrradkorso durch die Stadt. Was mich zu der Frage bringt: Wie lautet eigentlich die Mehrzahl von „Korso“? Korsen? Korsaken? Korsaren? Egal. Wir werden feiern, denn die Mannschaft hat eine Feier verdient und wir Trainer auch.

PS: Das Interview mit Sascha Zeus hat Sascha Zeus geführt.

PPS: Der Mann wiegt knapp 120 Kilo, deshalb sind seine Antworten auch fett gedruckt.